Freitag, 23. Januar 2015

Frauenrechtsquilt Block 49

Es ist soweit: heute gibt es den 49. und damit letzten Block des Quilts für die Rechte der Frauen!
Block 49 war einer der beiden, die ich erfolgreich ewig vor mir hergeschoben habe. Und ich musste wieder einmal erkennen, dass ich mich gar nicht so leicht motivieren kann, wenn der leise Nachdruck einer Gruppe fehlt. Diesen Quilt hatten ja deutlich mehr Bloggerinnen angefangen zu nähen, als am Ende bei Veröffentlichung des letzten Blocks noch "im Rennen" waren...
Block 49 war noch ein Block mit Rundungen. Er war nicht wirklich schwer zu nähen, seit ich begriffen habe, wie man das machen kann.
Die große Tochter meinte, ein Thema würde in diesem Quilt noch total fehlen und darum bekommt dieser Block heute die Stimme einer 26-jährigen jungen Frau, die sich in Studium und Arbeit eine ganz eigene Betrachtung der deutschen Sprache entwickelt hat:

frauen bewegen sich vorzugsweise auf dem mittelfeld der sprache, wobei sie alles abseits des weges liegende oder seltsame vermeiden,(…) frauen folgen regelmäßig der landstraße der sprache, die männer aber geben häufig der neigung nach, einen schmalen seitenpfad einzuschlagen oder sogar sich einen neuen weg erst zu bahnen”. Diese Idee der Unterlegenheit der weiblichen Sprache vertraten Wissenschaftler wie Otto Jespersen, von dem dieses Zitat stammt, noch bis in die 1970er Jahre. Begründet wurde dies durch die Syntax (Regelwerk einer Sprache) der Frauensprache, von der angenommen wurde, sie sei inhaltsarmer und primitiver als die Sprache der Männer.
Doch auch nach der Untersuchung unseres Sprachsystems und der Einforderung von Gleichheitschancen der Geschlechter in den letzten 50 Jahren finden wir bis heute „die deutsche Sprache in ihrer Struktur und ihrem Lexikon sexistisch und androzentrisch (der Mann als Zentrum, Maßstab und Norm)“ (Schoenthal) vor. Daher möchte der letzten Block des Quilts auf die tagtägliche Diskriminierung der Frauen in unserer Sprache aufmerksam machen.
Schon in der höflichen Anrede und unseren Personenbezeichnungen findet sich eine fundamentale Assymetrie. Warum wird eine Frau in einer gemischten Gruppe als Dame in sehr geehrte Damen und Herren, allein aber als Frau angesprochen? Und warum wird Männern hingegen durchweg Höflichkeit und Respekt entgegengebracht, indem sie immer mit Herr angeredet werden? Warum muss sich eine Frau als Doktor oder Arzt ansprechen lassen, obwohl wir im Deutschen mittlerweile entsprechende weibliche Bezeichnungen dieser Berufsstände haben? Und selbst hierbei finden wir heute noch ein Ungleichgewicht, da weibliche Entsprechungen von Berufsbezeichnungen aus den männlichen Grundformen abgeleitet werden: aus dem Arzt wird die Ärztin. Berufbezeichnungen hingegen, die aus einer weiblichen Domäne herrühren wie Krankenschwester, werden für Männer nicht aus der weiblichen Grundform abgeleitet, sondern entstehen durch Wortneubildungen. So haben wir heute nicht etwa den Krankenbruder, sondern ein Krankenpfleger.
Ein weiteres Phänomen der deutschen Sprache, das sehr häufig Anwendung findet, ist das generische Maskulinum. Da eine enge Assoziation zwischen grammatikalischem und natürlichem Geschlecht besteht, macht es Frauen nahezu unsichtbar. Dies bedeutet, dass Sätze wie Der Deutsche hat eine sehr gute Allgemeinbildung. grundsätzlich zwar neutral gemeint sind und von Frauen und Männer die Rede sein soll, dass jedoch durch das generische Maskulinum überwiegend an Männer als an Frauen gedacht wird.
Daher ist es nicht nur die Sprache an sich „sondern deren Wahrnehmung durch die Sprachbenutzer und der Sprachgebrauch, die den Eindruck des Sexismus bzw. des Vorherrschens des Männlichen bei den Personenbezeichnungen entstehen lassen“ (Klann-Delius).
Somit kann eine Sichtbarmachung der Frauen nur durch gezielten Sprachwandel erfolgen. Deshalb, liebe Leserinnen und Leser, versucht doch in Zukunft gern einmal diese Form der Anrede zu nutzen, da sie die einzige ist, bei der sich Frauen und Männer gleichermaßen sichtbar und gemeint fühlen.

Das war ja nun eine Menge zu lesen, aber es steckt auch eine Menge drin - finde ich. Und dazu gibt's nun
Block 49: The Arc - Die Brücke


"Die Brücke der moralischen Wertvorstellungen im Universum ist lang, aber letztendlich beugt sie sich in Richtung der Gerechtigkeit!!"
Martin Luther King jr.

Dieser Block war der letzte, den ich nähen musste. Nun muss ich mich für ein Layout entscheiden und die Blöcke nur noch ein bisschen zusammen nähen und das Ganze quilten. Und dieser Übergangsschritt ist einer, der für mich in der Entstehung eines Quilts immer wieder auch eine echte Stufe darstellt. Mal sehen, ob ich gerade üüüüberhaupt keine Zeit dafür habe oder was.... :-)

Kommentare:

  1. Liebe Valomea, liebes Tochterkind!!!
    Das gefällt mir! Sowohl das Blöckchen als auch die Überlegungen zu unserer Muttersprache... Ich neige ja schon mal dazu, statt dem allgegenwärtigen >man< ein >frau< zu verwenden, obwohl die richtigere Wortwahl >ich< wäre... Eine verzwickte Sache mit der deutschen Sprache ;)
    Alles Liebe, Katrin

    AntwortenLöschen
  2. Ein anspruchsvolles Projekt, ich bin auf die Zusammenstellung und Fotos bei realem Licht gespannt. Der moderne, grafische Eindruck gefällt mir.
    GlG Ute

    AntwortenLöschen
  3. Dein letzter Block des Frauenrechtequilts sieht klasse aus und auch deine Überlegungen /Gedanken dazu... nun bin ich gespannt, wie du sie anordnest und fertig stellst!

    LG Klaudia

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Valomea,
    was für Überlegungen zu diesem Block und unserer Sprache - spannend. Während meiner ersten Ausbildung wurde ich noch "Fräulein" genannt!! Damals hieß das noch Lehre und man war Lehrmädchen - oder Junge. Wir hatten einen jungen Mann in der Ausbildung. Den haben wir Mädchen damals schon immer Herrlein genannt. Dabei fällt mir spontan das "tapfere Schneiderlein" ein. Das läßt sich schlecht in eine weibliche Form bringen - oder?
    LG Marianne

    AntwortenLöschen
  5. Das war ja mal ein lange Ansprache ;-)). Und welche "Herr"schaften du so zitierst. Der Schriftstoff paßt natürlich super dazu. Der ganze Block gefällt mir ziemlich gut, natürlich auch wegen de Blautöne ;-).

    Herzlichst, Petruschka

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nene, der gesamte "sprachwissenschaftliche" Absatz stammt aus der Feder der Tochter. So gewählt könnte ich mich nicht ausdrücken! *lach*
      Aber man - falsch - ICH muss da mal ein bisschen besser aufpassen, das ist ja eine hausgemachte Unsichtbarkeit der Frauen in der Sprache...

      Löschen
  6. könnte man die Blockvorlagen noch bekommen ???
    LG Karin

    AntwortenLöschen